Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 5)

Jenny Phan und Dr. Clemens Jochem, Gefahrstoffmanagement, UMCO-Hamburg – veröffentlicht am 24. November 2020

Gesetzliche Änderungen, überarbeitete Leitlinien und die praktische Umsetzung der harmonisierten Produktmeldung führen kontinuierlich zu neuen Fragen. Auch wenn in unseren bereits veröffentlichten Artikeln verschiedenste Themen beleuchtet wurden, reißt der Fragestrom nicht ab. Mit unserer Blog-Artikel-Serie möchten wir Sie weiter unterstützen und konkrete Handlungsempfehlungen geben.

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 5)

Stoffe und Gemische

Warum müssen Stoffe nicht gemeldet werden?

Stoffeigenschaften sind bereits in verschiedensten chemischen Datenbanken öffentlich verfügbar. Unter anderem bieten das C&L Inventory und insbesondere die Registrierungsdossiers eine wertvolle Unterstützung. So wird im Bedarfsfall eine sachgerechte Notfallversorgung möglich. Bei Gemischen hingegen sind Rezepturen und deren toxikologische Eigenschaften in der Regel nicht bekannt und, sofern keine Produktmeldung durchgeführt wird, auch für die benannten Stellen zur Notfallberatung nicht verfügbar. Die Produktmeldung von Gemischen dient daher der Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung.

Zur Differenzierung zwischen Stoffen, Gemischen und Erzeugnissen, gelten die Kriterien der REACH-Verordnung. Folgende Links der ECHA sind hilfreich:

https://echa.europa.eu/de/support/substance-identification/what-is-a-substance

https://echa.europa.eu/de/support/substance-identification/what-is-not-a-substance

Ausnahmeregelungen

Welche Produkte sind von der Meldepflicht ausgenommen?

Als gefährlich eingestufte Gemische müssen nicht gemeldet werden, wenn sie einer der folgenden Kategorien angehören:

  • radioaktive Gemische
  • Gemische, die der zollamtlichen Überwachung unterliegen, sofern sie weder behandelt noch verarbeitet werden, und die sich in vorübergehender Verwahrung oder in Freizonen oder in Freilagern zur Wiederausfuhr oder im Transitverkehr befinden
  • nichtisolierte Zwischenprodukte
  • Abfall
  • Arzneimittel
  • Tierarzneimittel
  • kosmetische Mittel
  • Medizinprodukte und medizinische Geräte, die invasiv oder unter Körperberührung verwendet werden, und In-vitro-Diagnostika
  • Lebensmittel oder Futtermittel
  • Gase unter Druck
  • explosive Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoff

 

Des Weiteren sind Gemische ebenso von der Meldepflicht befreit, wenn sie ausschließlich als umweltgefährlich eingestuft oder nur mit EUH-Sätzen gekennzeichnet sind. Gemische für die wissenschaftliche oder produkt- und verfahrensorientierte Forschung und Entwicklung sind ebenfalls nicht meldepflichtig. Es ist zu beachten, dass bestimmte Gemische, je nach Abnehmer und Nutzung, in mehrere Kategorien fallen können. In diesen Fällen muss individuell entschieden werden, ob eine Meldepflicht besteht. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn ein Hersteller ein gefährliches Gemisch (z. B. eingestuft als Flam. Liq.) als Lebensmittel vertreibt und damit zugleich einen Formulierer der chemischen Industrie, der daraus Haushaltsreiniger herstellt, beliefert. In diesem Fall wäre er dann zur Produktmeldung verpflichtet, da Produkte für die chemische Industrie nicht wie Lebensmittel von der CLP-Verordnung ausgenommen sind.

Gemische aus Nicht-EU-Ländern

Wie wird ein Rohstoff aus einem Nicht-EU-Land in die Produktmeldung mit einbezogen, wenn die vollständige Rezeptur unbekannt ist?

In diesen Fällen liegt gemäß Artikel 45 CLP die Meldepflicht beim EU-Importeur. Da der Rohstoff-Lieferant nicht in der EU ansässig und daher zu keiner Produktmeldung verpflichtet ist, liegt unter Umständen auch kein UFI (Unique Formula Identifier) für den Rohstoff vor. Der Nicht-EU-Lieferant kann entweder gegenüber dem Importeur die vollständige Rezeptur offenlegen oder aus Kulanz eine freiwillige Meldung über eine Rechtsperson mit Sitz in der EU (z. B. einen Consultant) durchführen. Der hierbei generierte UFI kann dann vom EU-Importeur für die eigene MiM- (Mixture-in-Mixture) Produktmeldung verwendet werden. Diese Option bietet den Vorteil, dass der Lieferant die eigene Rezeptur geheim halten kann. Dennoch unterliegt dieser keiner prinzipiellen Meldepflicht. Sollte sich der Nicht-EU-Lieferant gegen diese Option entscheiden, ist das Produkt ggf. nicht melde- und somit nicht vertriebsfähig.

Handelswaren

Wer ist der Meldepflichtige, wenn ein Produkt 1:1 als Handelsware vertrieben wird?

Wenn ein Produkt ohne Rebranding oder Relabelling vertrieben wird, ist in erster Linie der Hersteller zur Meldung verpflichtet. Der Händler muss aber sicherstellen, dass das Produkt in den EU-Ländern, in denen er vertreibt, bereits gemeldet ist. Trifft dies nicht zu, kann entweder der Hersteller in den benötigten weiteren Ländern nachmelden oder der Händler führt selbst eine eigene Produktmeldung in den noch fehlenden Ländern durch. Ausführlichere Informationen zu den Pflichten von Rebrandern und Relabellern finden Sie in unseren folgenden Blog-Artikeln:

 

Bitte beachten Sie, dass gemäß den aktuellen Leitlinien die EU-Mitgliedsstaaten bezüglich der Rolle von Händlern (Relabeller und Rebrander) noch zu keinem endgültigen Konsens gelangt sind (Seite 3 der Leitlinien, Version 3.0, „Hinweis für den Leser“). Belgien, Deutschland, Griechenland, Frankreich und Schweden vertreten abweichende Auffassungen. Dänemark hat sich bisher nicht festgelegt.

PCN-Empfangsbereitschaft der Mitgliedsstaaten

Aktuell sind sieben Mitgliedsstaaten (Dänemark, Deutschland, Estland, Litauen, Norwegen, Polen, Slowenien) in der Lage, die elektronischen Daten der Produktmeldung über das Benachrichtigungsportal der ECHA zu empfangen (Stand: 26.10.2020). Eine tagesaktuelle Übersicht der Entscheidungen finden Sie unter: https://poisoncentres.echa.europa.eu/appointed-bodies im Dokument „Overview of Member States decisions on implementing Annex VIII to the CLP“ (oben rechts auf der Website unter „Key documents“). Für den Rest der Länder bleiben die Meldungen nach nationalem Recht bis zum 31. Dezember 2020 verpflichtend (consumer + professional use). Es wird jedoch bisher keine Zwischenlösung vorgeschlagen, sollte der Datenempfang nach dieser Frist immer noch nicht möglich sein. Nach unserem Kenntnisstand werden an die ECHA übertragene Meldungen solange zwischengespeichert, bis die benannte Stelle des jeweiligen Landes das Dossier heruntergeladen hat.

Aktuelle Leitlinien

Die aktuellen Leitlinien zur Produktmeldung (Version 3.0) sind seit dem 23. September 2020 in 23 Sprachen verfügbar. Sie finden die Dokumente unter folgendem Link:

https://echa.europa.eu/de/guidance-documents/guidance-on-clp

Der Zugriff auf die Leitlinien in anderen Sprachen erfolgt durch die Umstellung der Sprache an der rechten oberen Ecke der Webseite. Wir empfehlen Ihnen, auch die englische Version einzubeziehen, da neueste Änderungen zuerst dort implementiert werden. Ein Entwurf für die Version 4.0 in englischer Sprache ist bereits in Arbeit:

https://echa.europa.eu/documents/10162/23047722/guidance_on_annex_viii_to_clp_v40_peg_en.pdf/2a2792ee-d094-8397-8d65-d38852faddf7

Weitere Informationen

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 9) - MiM-Meldung ohne UFI, Zahlung der Meldegebühren, Verträge mit Giftnotrufzentralen, Erstellung Meldedossier mit IUCLID

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 8) - Pflichten von Lieferanten, Private-Label und Pflichten von Händlern

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 7) - Angaben zu toxischen Daten, Rohstoff-UFI nicht vorhanden

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 6) - Stark verdünnte Gemische, Verpflichtende Sprache, Säuren und Basen, Lagerbestände, Meldung über die ECHA, Änderung des Unternehmens, Aktuelle Leitlinien

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 5) - Stoffe und Gemische, Ausnahmeregelungen, Gemische aus Nicht-EU-Ländern, Handelswaren, PCN-Empfangsbereitschaft der Mitgliedsstaaten, Aktuelle Leitlinien

Der UFI: Wie müssen „auf Wunsch formulierter Anstrichfarben“ etikettiert werden?

Große Erleichterung für die Farbenbranche: Neue Regelungen zum UFI hinsichtlich "auf Wunsch" formulierter Anstrichfarben

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 4) - UFI ohne Steuernummer, Mehrere Produktkategorien (EuPCS), Duft- und Farbstoffe

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 3) - Meldepflicht von Händlern, Nicht eingestufte Gemische, Multi-Constituent Substances

Der UFI: Nun auch reine Händler in der Produktmeldungspflicht!

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 2) - Aktualisierung der Produktmeldung, Vereinfachte Produktmeldung, Wechsel des Rohstofflieferanten, UFI für nicht gefährliche Gemische

Der UFI in der Praxis: Große Resonanz auf unser erstes Webinar zur Produktmeldung. Wir stellen uns Ihren Fragen! - Fristen, Darstellung, Nationale Gebühren in einzelnen Mitgliedstaaten, UFI im SDB

Empfehlung

Das Thema Produktmeldung befindet sich momentan noch im stetigen Wandel. Es werden zurzeit kurzfristig Regelungen aktualisiert oder neue Ausnahmeregelungen erlassen. Bleiben Sie daher auf dem Laufenden und informieren Sie sich auf der offiziellen Webseite der ECHA über die neuesten Änderungen:. Natürlich werden wir Sie auch über unseren Blog kontinuierlich informieren. 

Haben Sie konkrete Fragen? Dann schreiben Sie uns gern eine E-Mail oder rufen Sie an. Eine Bitte hätten wir dabei: Da unsere Helpline täglich viele verschiedene Fragen klärt, wäre es prima, wenn Sie als Referenz den Titel des Blogartikels angeben würden. Herzlichen Dank. 

blog.helpline@umco.de +49 (0)40 / 555 546 333

 

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Unsere Dienstleistungen

Der durch die harmonisierte Produktmeldung verursachte administrative Aufwand ist für viele Unternehmen erheblich. Wir bei der UMCO haben daher frühzeitig mit der Entwicklung einer automatisierten Möglichkeit zur Produktmeldung begonnen. Für unsere UHCS*- bzw. SDB-Kunden aller Größenordnungen können wir eine leistungsfähige Plattform bereitstellen. Gern stehen wir Ihnen jederzeit als fachliche und strategische Berater zur Verfügung, um Ihren Meldeprozess optimal zu gestalten. Kommen Sie gern auf uns zu!

*Was bedeutet UHCS? UHCS steht für: UMCO’s Hazard Communication System. Eine von uns selbstentwickelte und kontinuierlich weiterausgebaute Softwarelösung zur SDB-Erstellung und (Kunden-)Dokumentenverwaltung inklusive verschiedener Adapterlösungen zum Informations- und Dokumentenaustausch.

Auf vielfachen Wunsch planen wir unser Seminar- und Webinarangebot zum Thema UFI und Produktmeldung weiter auszubauen, um z.B. auch speziellere fachliche Aspekte genauer zu beleuchten. Schauen Sie für Neuigkeiten gern regelmäßig in unserer Akademie vorbei.

Wenn Sie mehr über das Thema UFI wissen möchten, schauen Sie doch auf unserer UFI-Seite vorbei!

UMCO goes UFI goes Produktmeldung

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vertrieb@umco.de +49 (0)40 / 555 546 360

Passende Seminare

Kostenfreies Webinar: Webinar: Verwendung des UFI für Ihre Produkte und Gemische

  • Webinar: Wir nehmen Sie in unserem 45-minütigen kostenfreien Webinar mit auf unsere UFI-Reise: virtuell, kompetent und anschaulich erklärt. Denn es wird Zeit zu handeln. Ab Januar 2021 ist ein UFI Pflicht auf Etiketten und Produkten, die ein gefährliches Gemisch enthalten. Melden Sie sich am besten gleich jetzt an! 
  • nächster Termin: Mittwoch, 20. Januar 2021

 

Weiterbildung vis-à-vis oder remote – wir können beides!

Unsere Akademie ist für Präsenzseminare geöffnet und erwartet Sie mit einem erprobten Hygienekonzept.

Damit Sie auch vom Homeoffice mit all den Informationen versorgt werden, die Sie brauchen, um sicher und effizient zu arbeiten, bieten wir Webinare und Online-Workshops an! Sie suchen nach einer spezifischen Schulung oder Unterweisung? Vieles lässt sich digital oder Inhouse darstellen. Sprechen Sie uns an!

Über unseren Akademie Newsletter halten wir Sie gern auf dem Laufenden.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Die UMCO als Partner

Seit fast vier Jahrzehnten ist die UMCO GmbH als führendes Beratungsunternehmen für Chemical-Compliance-Lösungenetabliert. Wenn es um komplexe Anforderungen im Umgang mit chemischen Produkten und deren weltweite Vertriebsfähigkeit geht, sind unsere 80 Mitarbeitenden an den Standorten Hamburg und Köln genau die richtigen Ansprechpartner!

Ob Chemie, Pharma, Logistik oder verarbeitende Industrie – unsere rund 1.000 Kunden profitieren von unseren globalen
Branchenkenntnissen, unseren erfahrenen und hochqualifizierten Mitarbeitern und nicht zuletzt von unserem hohen Anspruch an uns selbst: bestmöglicher Service, schnell und zuverlässig, bei hervorragender Qualität. 

Unser Portfolio umfasst die Bereiche:

 

Die dauerhafte Aufrechterhaltung der Rechtskonformität in den Betrieben unserer Kunden steht im Fokus all unserer Dienstleistungen. Dabei ist unsere höchste Maxime, aus gesetzlichen Anforderungen individuelle und wirtschaftliche Lösungen in den jeweiligen Betrieben zu realisieren. Dass wir dabei tief in betriebliche Prozesse involviert sind, spricht für die Qualität, die wir liefern, und zeugt vom Vertrauen unserer Kunden. 

Lernen auch Sie uns kennen und vereinbaren Sie einen virtuellen Kennenlerntermin. Wir sind nur einen Klick weit von Ihnen entfernt. 

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Abstrakt

Der UFI in der Praxis: Wir stellen uns Ihren Fragen! (Teil 5) (Gefahrstoffe, Compliance, Notfall, Seminare)

11/20: Das Interesse an unserem Webinar zur harmonisierten Produktmeldung und dem UFI bleibt groß! Erneut beantworten wir Ihre Fragen, unter anderem zu folgenden Themen: Ausnahmeregelungen, Gemische aus Nicht-EU-Ländern, Handelswaren und PCN-Empfangsbereitschaft der Mitgliedsstaaten. 

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