Weniger Verwendung von SVHC Stoffen durch das REACH Zulassungsverfahren

REACH
Gefahrstoffe
Arbeitsschutz
Umweltschutz
Compliance

Dr. Alexander Weißenberg, REACH, UMCO-Hamburg – veröffentlicht am 9. Dezember 2021

Die ECHA berichtet über zwei Fallstudien, die eindrücklich den Nutzen des Zulassungsverfahrens unter REACH auf die Verwendung von besonders besorgniserregenden Stoffen (substances of very high concern, SVHC) aufzeigen.

Weniger SVHC durch REACH

Worum geht es?

Zu den SVHC Stoffen gehören insbesondere Stoffe, welche als krebserregend, mutagen oder reproduktionstoxisch (KMR), als hormonell wirksam (Endokrine Disruptoren), oder als persistent, bioakkumulierend und toxisch (PBT) angesehen werden.

Aus diesem Grund gehen von SVHC Stoffen besondere Risiken und Gefahren für Mensch und Umwelt aus. Perspektivisch sollen daher die Herstellung und Verwendung dieser Stoffe eingeschränkt und die Stoffe auf der SVHC-Liste durch weniger bedenkliche Stoffe ersetzt werden.

Stoffe von der SVHC-Liste können hierfür auf die Liste zulassungspflichtiger Stoffe nach Anhang XIV REACH Verordnung aufgenommen werden. Stoffe auf dieser Liste dürfen nicht hergestellt, eingeführt oder anderweitig verwendet werden, es sei denn, es wurde ein entsprechender Antrag bei der ECHA gestellt und genehmigt. Es gelten hierbei zudem immer besondere Auflagen, wie zum Beispiel besondere Risikominimierungsmaßnahmen und Überwachungen.

Die Fallstudien

Im Bezug zum Zulassungsverfahren stellen sich insbesondere zwei Fragen:

  1. Reduziert die Aufnahme von Stoffen auf die SVHC-Kandidatenliste deren Verwendung?
  2. Reduziert die Aufnahme von Stoffen auf die Zulassungsliste deren Verwendung?
  • Studie 1 – Herstellung von SVHC Stoffen in Schweden:

Hintergrund:

Die erste Studie stellt Zahlen aus Schweden vor. Wie in anderen nordischen Ländern müssen schwedische Firmen für bedenkliche Stoffe ihre jährlichen Herstellungs- bzw. Importmengen in einem Register melden.

Für diese Studie wurden die gemeldeten Mengen für insgesamt 97 Stoffe im Zeitraum von 1992 bis 2016 erfasst und ausgewertet.

Alle diese Stoffe waren auf der ChemSec’s SIN Liste und spätestens ab 2016 auch in die Kandidatenliste aufgenommen und 36 dieser Stoffe wurden zudem unter EU-REACH zulassungspflichtig.

Fragestellung und Ergebnis:

Ziel der Studie war es, den Einfluss einer Aufnahme in die Zulassungsliste auf die Herstellungs- und Importmenge zu quantifizieren. Hierfür wurden die Daten mit Hilfe statistischer Verfahren ausgewertet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Aufnahme von Stoffen auf die Zulassungsliste, deren Verwendung gegenüber Stoffen auf der Kandidatenliste um durchschnittlich 41% reduziert.

 

  • Studie 2 – Freisetzung von SVHC Stoffen:

Hintergrund:

Die zweite vorgestellte Studie nutzte Daten aus dem European Pollutant Release and Transfer Register, E-PRTR). Dieses Register sammelt seit 2007 Daten zur Freisetzung über Luft, Wasser, Land, sowie als Abfall und über das Abwasser von 91 Hauptumweltschadstoffen. Gemeldet werden die Daten von ungefähr 30.000 Industriestandorten aus ganz Europa.

Der Fokus der Studie lag hierbei auf Daten von chlorierten und anderen organischen Stoffen von 2007 bis 2017.

Diese Daten wurden aufgrund von verschiedenen Gründen (u.a. Verfügbarkeit und Vollständigkeit der Daten, sowie weiterer Qualitätskriterien) auf die folgenden Stoffe eingegrenzt:

-       1,2-Dichlorethan (DCE)

-       Oktylphenol und ethoxyliertes Oktylphenol (OP/OPEs)

-       Nonylphenol und ethoxyliertes Nonylphenol (NP/NPEs)

Diese drei Stoffe wurden 2012 bzw. 2013 auf die Kandidatenliste aufgenommen. Des Weiteren wurden 14 Kontrollsubstanzen aus dem Datensatz ausgewählt, welche im Untersuchungszeitraum nicht auf der Kandidatenliste waren.

Fragestellung und Ergebnis:

Mit Hilfe statistischer Korrelationsanalysen wurde versucht den Einfluss auf die Umweltfreisetzung durch die Listung in der Kandidatenliste zu quantifizieren.

Für DCE konnte das Modell eine Reduktion der Umweltfreisetzung um ca. 66% ermitteln.

Für NP/NPEs wurde sogar eine Reduktion um 74% ermittelt, jedoch ist hier die Unsicherheit in Bezug auf einen direkten Einfluss der Listung in der Kandidatenliste größer.

Die Auswertung der Daten für OP/OPEs wurde als nicht glaubwürdig verworfen. Hier gab es bereits im Vorfeld sehr große Schwankungen in der gemeldeten Umweltfreisetzung und der Einfluss der Listung kann daher nicht klar ermittelt werden.

Wo finde ich den vollständigen Bericht der ECHA?

Sie können sich den vollständigen Bericht auf der Seite der ECHA anschauen. Dieser ist in englischer Sprache verfügbar unter: Causal impacts of the REACH Authorisation process on the use of substances of very high concern in the EU, ECHA, November 2021.

Fazit

Beide Studien zeigen eindrücklich, dass die Listung von Stoffen auf der Kandidatenliste und weiter auf der Zulassungsliste die Herstellung, die Verwendung und den Umwelteintrag für solche besorgniserregenden Stoffe signifikant reduzieren. Gleichzeitig zeigen diese Studien jedoch auch, dass die Quantifizierung der Effekte mitunter schwierig ist.

Empfehlung

Die ECHA ist bestrebt die Verwendung von besonders besorgniserregenden Stoffen in der EU zu reduzieren. Sollten Sie mit solchen Stoffen umgehen, versuchen Sie sich möglichst frühzeitig nach Alternativen umzusehen, um bei einer Listung auf der Kandidatenliste und später auf der Zulassungsliste vorbereitet zu sein.

Haben Sie konkrete Fragen? Dann schreiben Sie uns gern eine E-Mail oder rufen Sie an. Eine Bitte hätten wir dabei: Da unsere Helpline täglich viele verschiedene Fragen klärt, wäre es prima, wenn Sie als Referenz den Titel des Blogartikels angeben würden. Herzlichen Dank. 

blog.helpline@umco.de +49 (0)40 / 555 546 333

 

Gern halten wir Sie auf dem Laufenden. Abonnieren Sie hierzu einfach unseren Fach-Newsletter und erhalten Sie so ein mal im Monat die akuellen Meldungen aus unserem Blog auf Ihren PC oder Handy. Der Fach-Newsletter ist kostenfrei und kann jederzeit wieder gekündigt werden.

Hier Anmelden zum Fachnewsletter

Unsere Dienstleistungen

Wir unterstützen Sie bei Ihren Fragestellungen rund um SVHC-Stoffe. Des Weiteren helfen wir Ihnen bei allen weiteren Fragen zu REACH, wie z. B. Registrierung, Notifizierung, Zulassung und Beschränkung von Stoffen, aber auch zu Sicherheitsdatenblättern und dem Transport von Gefahrgütern. Hierbei steht Ihnen ein Team aus erfahrenen Mitarbeitern zur Verfügung, sodass Ihr spezielles Thema direkt bearbeitet werden kann. Sprechen Sie uns an!

vertrieb@umco.de +49 (0)40 / 555 546 360

Passende Seminare

Weiterbildung vis-à-vis oder remote – wir können beides!

Unsere Akademie ist für Präsenzseminare geöffnet und erwartet Sie mit einem erprobten Hygienekonzept.

Damit Sie auch vom Homeoffice mit all den Informationen versorgt werden, die Sie brauchen, um sicher und effizient zu arbeiten, bieten wir Webinare und Online-Workshops an! Sie suchen nach einer spezifischen Schulung oder Unterweisung? Vieles lässt sich digital oder Inhouse darstellen. Sprechen Sie uns an!

Über unseren Akademie Newsletter halten wir Sie gern auf dem Laufenden.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Die UMCO als Partner

Seit fast vier Jahrzehnten ist die UMCO GmbH als führendes Beratungsunternehmen für Chemical-Compliance-Lösungenetabliert. Wenn es um komplexe Anforderungen im Umgang mit chemischen Produkten und deren weltweite Vertriebsfähigkeit geht, sind unsere 80 Mitarbeitenden an den Standorten Hamburg und Köln genau die richtigen Ansprechpartner!

Ob Chemie, Pharma, Logistik oder verarbeitende Industrie – unsere rund 1.000 Kunden profitieren von unseren globalen
Branchenkenntnissen, unseren erfahrenen und hochqualifizierten Mitarbeitern und nicht zuletzt von unserem hohen Anspruch an uns selbst: bestmöglicher Service, schnell und zuverlässig, bei hervorragender Qualität. 

Unser Portfolio umfasst die Bereiche:

 

Die dauerhafte Aufrechterhaltung der Rechtskonformität in den Betrieben unserer Kunden steht im Fokus all unserer Dienstleistungen. Dabei ist unsere höchste Maxime, aus gesetzlichen Anforderungen individuelle und wirtschaftliche Lösungen in den jeweiligen Betrieben zu realisieren. Dass wir dabei tief in betriebliche Prozesse involviert sind, spricht für die Qualität, die wir liefern, und zeugt vom Vertrauen unserer Kunden. 

Lernen auch Sie uns kennen und vereinbaren Sie einen virtuellen Kennenlerntermin. Wir sind nur einen Klick weit von Ihnen entfernt. 

vertrieb@umco.de +49 (0)40 / 555 546 360 Zum Kontaktformular

Abstrakt

Weniger Verwendung von SVHC Stoffen durch das REACH Zulassungsverfahren (REACH, Gefahrstoffe, Arbeitsschutz, Umweltschutz, Compliance)

12/21: In zwei jüngst erschienenen Studien wurde der Effekt des Zulassungsverfahrens auf die Verwendung und den Umwelteintrag von SVHC Stoffen quantifiziert. Die Studien ermittelten eine durchschnittliche Reduktion der Herstellung und des Importes um ca. 41% und des Umwelteintrages von ca. 66%.

Skript: Listen
Skript: Artikel

Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Wir berücksichtigen Ihre Auswahl und verwenden nur die Daten, für die Sie uns Ihr Einverständnis geben.

Diese Cookies helfen dabei, unsere Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriffe auf sichere Bereiche ermöglichen. Unsere Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen, wie Besucher mit unserer Webseite interagieren, indem Informationen anonym gesammelt werden. Mit diesen Informationen können wir unser Angebot laufend verbessern.

Diese Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.